Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Das römische Weltreich auf dem Höhepunkt seiner Macht

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Anthony Everitt: Hadrian and the Triumph of Rome

Der römische Kaiser Hadrian (76-138) ist der heutigen Welt besonders dank seiner architektonischen Hinterlassenschaften ein Begriff (Hadrianswall, Villa Adriana). In seiner Biographie zeichnet Anthony Everitt ein umfassendes Bild des Kaisers und seiner Zeit.

Die Person Hadrian wirklich kennenzulernen und der heutigen Welt zugänglich zu machen ist keine leichte Aufgabe. Hadrian war ein Mann der Gegensätze, der zu allem Überfluss auch noch die Menschen in seiner Umgebung stark polarisierte. Von außen betrachtet müsste er ein beliebter Kaiser gewesen sein; unter seiner Herrschaft stand Rom auf dem Zenit seiner kulturellen und politischen Macht. Von einigen kleineren Querelen zu Beginn und zum Ende seiner Herrschaft abgesehen, war Hadrians Zeit eine Zeit des Friedens und Wohlstandes. Und doch war er bei den Römern nur mäßig beliebt und beim Senat hatte er zeitlebens einen schwierigen Stand. Tatsächlich waren Roms Eliten nur auf Druck von Hadrians Nachfolger dazu bereit, den Kaiser nach seinem Ableben in den Gottesstand zu erheben.

Everitt holt weit aus und nimmt sich beinahe die ganze erste Hälfte des Buches Zeit dafür, Hadrians Lehrjahre unter seinem Vorgänger Trajan zu beschreiben. Und er konzentriert sich nicht nur auf die Person Hadrian. Da der Kaiser überzeugter Panhellene war und der griechischen Kultur auch in Rom und den römischen Provinzen mehr Einfluss einräumen wollte, durchleuchtet Everitt zusätzlich zur römischen auch die griechische Geschichte und Mythologie. Er präsentiert eine Fülle an Informationen über die antike Welt und ihre Helden, die Hadrian als Inspiration gedient haben.

Zeitweise schweift Everitt so weit von der Person Hadrians ab, dass es scheint, als habe er ihn aus den Augen verloren. Allerdings macht genau dies die Stärke dieser Biographie aus. Da Hadrians Charakter so schwer zu ergründen ist, beleuchtet Everitt seine Umgebung und stellt Hadrian als Produkt seiner Zeit dar. Eine trockene Abhandlung antiker Geschichte muss dennoch niemand befürchten, denn persönliche Kommentare des Autors finden ebenfalls ihren Weg in dieses Buch, und hier schwingt oft eine Prise sehr britischen Humors mit.

Wer Lust auf mehr Hadrian hat: Die fiktive Autobiographie Hadrians in Romanform von Marguerite Yourcenar ist absolut zu empfehlen. Ein beeindruckendes Buch, das innerhalb weniger Seiten eine Wucht entfaltet, die selbst zögerliche Leser mitreißt, um sie am Ende sehr nachdenklich wieder an Land zu spülen. Eine volle Rezension zu „Ich zähmte die Wölfin“ gibt es hier.

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