Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Absolute Guilty Pleasure

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bcf42-der_junge_der_traeume_schenkteLuca Di Fulvio: Der Junge, der Träume schenkte

In Italien, Anfang des 20. Jahrhunderts, versucht eine Mutter, ihre Tochter Cetta vor den Zugriffen des Gutsbesitzers zu schützen, doch sie kann nicht verhindern, dass die Dreizehnjährige von einem Freund des Gutsbesitzers bei der Feldarbeit vergewaltigt und geschwängert wird. Nach der Geburt ihre Sohnes Natale, macht sich Cetta auf den Weg nach Amerika. Mit völligem Gleichmut prostituiert sich die nun Vierzehnjährige, sodass sie ohne finanzielle Gegenleistung den Atlantik überqueren kann.

Dieser Gleichmut begleitet Cetta auch durch die ersten Jahre in New York. Sehr schnell muss sie erkennen, dass ihr Körper ihr größtes Potenzial ist, und so verdient sie in den ersten Jahren als Prostituierte Geld. Derweil wächst Natale, dem bei der Einreise aufgrund eines Missverständnisses der Name Christmas gegeben wurde, in der Lower East Side heran. Nachdem er von den gleichaltrigen Jungen seiner Nachbarschaft nicht in ihre Gang aufgenommen wird, gründet Christmas kurzerhand seine eigene Gang – die Diamond Dogs. Die Gang besteht aus zwei Personen – Christmas und Sandro, ein kleiner, schmächtiger Junge, der bewundernd zu Christmas aufschaut.

In die Kriminalität rutschen die beiden nicht ab – das wird in Sandros Fall gar nicht, in Christmas‘ Fall erst später, passieren. Dennoch geschieht etwas, das Christmas für immer verändern wird: sie finden Ruth, dreizehnjährige Enkelin eines jüdischen Unternehmers, der mit Textilien reich geworden ist. Das Mädchen ist am Abend zuvor vergewaltigt und schwer verletzt worden. Christmas und Sandro bringen sie ins Krankenhaus, und als Ruth ihre Augen öffnet und Christmas ansieht, ist es um ihn geschehen. Der Gedanke an sie befeuert Christmas in seinem Bestreben, aus der Lower East Side auszubrechen und Wohlstand anzuhäufen.

Nach dem Tod des Großvaters zieht Ruth mit ihren Eltern an die Westküste, Christmas bleibt in New York, und Di Fulvio springt zwischen beiden Kindern hin und her, sodass der Leser verfolgen kann, wie jeder für sich aufwächst und sich entwickelt. Auch einen dritten Erzähstrang spinnt Di Fulvio – Bill, der Junge, der Ruth eines Abends aus dem Haus geholt und sie vergewaltigt hat. Er entkommt der Polizei und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen, während er langsam in einen gewalttätigen Wahnsinn abdriftet.

Di Fulvio gelingt es, den Spannungsbogen kontinuierlich gespannt zu halten. Dies ist ein Buch, das man ungern zur Seite legt, weil  man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht und was als nächstes passiert. Allerdings: sprachlich holpert es teils gewaltig und viele Plotwendungen kommen recht unbeholfen daher. Di Fulvio konzentriert sich zu sehr auf die Geschehnisse und nicht genug auf die Charaktere, und so bleiben die meisten Personen blass und prägen sich kaum ein.

Durch und durch eine Guilty Pleasure: Platte Dialoge und unwahrscheinliche Wendungen, doch weglegen will man es trotzdem nicht.
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