Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Karitas findet sich selbst

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Kristín Marja Baldursdóttir: Die Farben der Insel

die-farben-der-insel-072075801In der Forsetzung zu ihrem Erfolg Die Eismalerin, setzt Baldursdóttir einige Jahre nach Ende des ersten Buches ein. Karitas lebt zurückgezogen in einem kleinen isländischen Dorf. Sie arbeitet als Kunstlehrerin an der Dorfschule womit sie dank ihres bescheidenen Lebensstils über die Runden kommt. Doch ihre düstere Kunst, die mehr und mehr die Situation der isländischen Frauen thematisiert, verstört die Dorfbewohner. Endlich findet Karitas die Kraft, sich wieder auf den Weg zu machen – nach Paris. Hier entfaltet sich ihr Talent vollkommen. Sie findet Anschluss, stellt ihre Werke aus, und erfährt Anerkennung als Künstlerin.

In diesem Buch hat Baldursdóttir die Perspektive gewechselt. Während im ersten Teil noch ein Erzähler aus dem Off über Karitas und ihre Familie berichtet, erzählt Karitas ihre Geschichte hier selbst. Es scheint fast so, als habe sie gemeinsam mit ihrer Kunst auch ihre eigene Stimme gefunden. Anders verhält es sich bei der Beschreibung ihrer Kunstwerke. Hier spricht nicht mehr Kariats selber über ihre Arbeit, sondern diese Texte lesen sich wie Museumstexte in einer Ausstellung, die neben einer kurzen Beschreibung des Sujets auch wichtige Informationen zu dem Leben der Künstlerin beisteuern.

Karitas hat ihre Selbstzweifel und Depressionen nicht vollständig überwunden, und auch die Unterstützung und das Verständnis ihrer Familie für ihr Talent wächst nur langsam und mit nachkommenden Generationen. Diese Fortsetzung ist dennoch leichter im Ton und um einiges weniger deprimierend als ihr Vorgänger. Es scheint auch so, als passiere noch viel mehr in diesem Buch als in dem vorherigen. Zugleich trägt die neue Perspektive dazu bei, dass man hier nicht nur von der Geschichte einer starken Frau sprechen kann, sondern auch eine wunderschöne (traurige) Liebesgeschichte entdeckt.

Man muss den ersten Teil dieser Islandsaga nicht gelesen haben um sich hier zurechtzufinden, doch das Leseerlebnis für jedes der beiden Bücher ist am besten wenn man sie hintereinander in einem Schwung durchliest. Der Perspektivenwechsel mag da zunächst irritieren, doch dieses Gefühl legt sich schnell und es wird schon bald klar, dass die Figur Karitas dadurch viel gewinnt.

Lieblingssatz: „Liebe ist eine richtungslose Reise“

Ist-das-wirklich-so-Moment: „Nur Töchter kennen beide Seiten ihrer Mütter. Mütter ersparen ihren Söhnen die unangenehmere Seite.“

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