Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Die Welt in Bewegung

Hinterlasse einen Kommentar

Thomas Christensen: 1616 – The World in Motion

In seinem Buch 1616 verschafft Thomas Christensen seinen Lesern Einblicke in die Welt im 17. Jahrhundert. Dabei konzentriert er sich nicht nur auf die atlantische Welt, sondern zieht Verbindungen auch durch den Pazifikraum, und von Asien über Lateinamerika und Afrika nach Europa. In der Einleitung des Buches erklärt Christensen, eines Morgens mit dem Wunsch aufgewacht zu sei, herauszufinden, was die Welt im Jahr 1616 bewegt hätte – Shakespeare starb, Cervantes auch, und am Hofe des britischen Königs James I hatte der Weihnachtsmann seinen ersten Auftritt. Im Juni 1616 besuchte außerdem eine Frau namens Powhatan, heute besser bekannt als Pocahontas, London.

Dabei beschränkt sich das Buch nicht nur auf dieses Jahr, sondern folgt auch Ideen und Gedankenströmungen, die in Folgejahren an Bedeutung gewannen (schließlich beginnt der dreißigjährige Krieg zwei Jahre später), oder bereits vorher Fuß fassten.

Als Orientierungspunkt sei hier auf den Untertitel des Buches verwiesen: „The World in  Motion“ – die Welt in Bewegung.  So sind die Personen, die in diesem Buch zu Wort kommen, und deren Lebensgeschichten aufgezeichnet werden, allesamt in Bewegung und Christensens Buch vermittelt den Eindruck einer sehr mobilen, vernetzten Welt im 17. Jahrhundert. Nicht nur Händler, Piraten und Soldaten durchsegelten und –wanderten die Welt. Auch Pilger, Missionare und Bettler gehörten dazu. Sklaven und Diplomaten, Siedler  und Flüchtlinge aller Art (religiöser, wirtschaftlicher etc) gehörten dazu,und auch Künstler, die auf der Suche nach neuen Mäzenen waren, legten zum Teil weite Strecken zurück. Auf viele von ihnen geht Christensen in diesem Buch ein; manchen widmet er viele Seiten, anderen ein paar kurze Sätze und eine der vielen Illustrationen, die dieses Buch ausmachen. Kaum eine Seit kommt ohne Bild aus und die oftmals farbigen Abbildungen leisten ihren Beitrag dazu, dass die Welt des 17. Jahrhunderts Gestalt annimmt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Das Buch ist lehrreich ohne belehrend zu sein, und Christensen kann sich den einen oder anderen sarkastischen, bisweilen zynischen, Kommentar nicht verkneifen, wenn er die Lebensgeschichten einiger vor den Augen des Lesers ausbreitet. Das Buch hat dadurch einen gewissen Unterhaltungswert, und die liebevolle grafische Aufbereitung trägt ihren Teil dazu bei, es zu einem wahren Lesevergnügen zu machen.

1616 ist nicht von einem Geschichtswissenschaftler für andere seiner Art geschrieben worden; es wurde von einem Geschichts- und Kunstliebhaber für Interessierte geschaffen. Es eignet sich für gelegentliche Schmöker-Ausflüge auf der Couch, kann aber auch, dank des leichten Erzähltons, durchaus in einem Stück genossen werden.

Informationen zum Buch: erschienen im März 2012 bei Counterpointpress, ist das Buch noch nicht in deutscher Sprache erhältlich. Jedem, der es sich zutraut, lege ich das Original in englischer Sprache ans Herz. Ab Januar 2013 ist es auch im Taschenbuchformat erhältlich.
Den Autoren kennenlernen: Kann man hier.
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s