Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren

Über die Natur, den Menschen, Religion, Konsum, Kultur, Technik, das Leben und den Tod

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Michael Hampe – Tunguska; oder: Das Ende der Natur

Der Philosophieprofessor Michael Hampe legt mit diesem Buch ein Werk vor, das zum Nachdenken anregt: über die Natur, den Menschen, Religion, Konsum, Kultur, Technik, das Leben und den Tod. In vier Gesprächen unterhalten sich hier vier Männer – ein Physiker, ein Philosoph, ein Biologe und ein Mathematiker über Regelmäßigkeiten und Zufälle in der Natur und die Rolle, die der Mensch in dieser Natur spielt. Hier greift Hampe auf die Argumente anderer Autoren zurück und legt sie seinen Figuren in den Mund. So zitiert Tunguskas Feierabent den Philosophen und Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend. Die Figur Bordmann zitiert Thesen des Biologen und Naturphilosophen Adolf Portmann. Blackfoot vertritt die Position von Alfred North Whitehead, Mathematiker und Doktorvater von Bertrand Russell. Tscherenkov, schließlich, vertritt sowohl den Astrophysiker Günter Hasinger, als auch den Physiker und Nobelpreisträger Steven Weinberg. Entsprechend vielseitig und vielschichtig fällt die Diskussion aus und eine Vielzahl von Interpretationen findet ausführliche Erwähnung.

Aufhänger des Gesprächs zwischen den Vieren ist Tunguska, eine Explosion in Sibirien aus dem Jahre 1908, um die sich viele Geschichten und Theorien ranken. Experten sprechen von einem Meteoriteneinschlag, Verschwörungstheoretiker verweisen auf das Fehlen von Trümmern und sprechen von Außerirdischen. Hampes Buch ist kein Versuch einer zusätzlichen Deutung. Das Ereignis dient lediglich dazu, die vier Männer dazu zu bringen, zu diskutieren, ob es in der Natur überhaupt so etwas wie „natürlich“, nzw. „normal“ gibt und im Umkehrschluss, ob es ein Ende der Natur gibt, ob etwas wirklich „Unnatürliches“ tatsächlich existiert. So fragt einer der vier Gesprächspartner „Wo ist eigentlich die Tür, die aus der Natur herausführt?“ Und gibt es „normal“ in der Natur? Wie genau verläuft denn eine normale Katastrophe? Wie hoch ist eine normale Welle? Und wann ist Artensterben normaler Bestandteil der Evolution, wann nicht? Laut Feierabent gibt es in der Natur keine Norm, weil jedes Ereignis einzigartig ist. „Vielleicht,“ sagt er, „ist die ganze Natur nichts als eine Verkettung einmaliger Geschichten.

Vielleicht ist das so. Vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall ist Hampes Buch ein absolutes Vergnügen. Er ist nicht bemüht, dem Leser eine bestimmte Position schmackhaft zu machen, sondern vermerkt vielmehr ausdrücklich, dass es mit dem modernen Wissensstand schlicht unmöglich ist, eine klare und richtige Antwort zu finden. Ist der Mensch in der Lage, die Natur genau genug zu berechnen um sie zu kontrollieren?

Rundum ein schlaues, packendes Buch. Regt zum Nachdenken und Diskutieren an. Führt gegebenenfalls zur Revision der eigenen Weltanschauung.

Übrigens: Mehr Informationen zum Tunguska-Ereignis finden sich hier.

 

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