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Alex George – A Good American

Das Buch A Good American von Alex George folgt den Spuren einer deutschen Einwandererfamilie in den USA von ihrer Reise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten 1903 über drei Generationen hinweg bis ins Jahr 2003.

Frederick und Jette verlieben sich Hals über Kopf hineinander. Sie ist Tochter aus gutbürgerlichem Hause, er ein opernsingender Gelegenheitskellner. Da überrascht es nicht, dass Jettes Familie der Verbindung keineswegs wohlgesonnen ist. Als Jette schließlich erkennt, dass sie schwanger ist, beschließt sie, Deutschland den Rücken zu kehren und sie und Frederick schiffen sich nach Amerika ein. Angekommen in New Orleans stoßen sie langsam ins Landesinnere vor und landen schließlich in Missouri.

George verfolgt die Geschichte der Familie, die die beiden gründen, rückblickend erzählt aus der Sicht eines Enkels. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei auch das Familienunternehmen: die Bar, die sich zu Zeiten der Prohibition wandeln muss und auch in den folgenden Dekaden ihr Gesicht in regelmäßigen Abständen verändert.

Das Buch beginnnt langsam, und penible Leser wird es vielleicht stören, dass in der englischen Originalversion die deutschen Einwanderer kein korrektes Deutsch sprechen – eine Tatsache, die eigentlich einem aufmerksamen Lektor nicht entgangen sein dürfte. Nach und nach gewinnt die Geschichte jedoch an Anziehungskraft, vor allem da man einige der Personen ins Herz schließt. Und Herzensangelegenheiten – Liebe – steuern die Geschichte. Sie motiviert die einzelnen Figuren, trotz aller Widrigkeiten immer wieder aufzustehen und weiterzumachen. George legt den Fokus eindeutig auf die Figuren und ihre Beziehungen zueinander, und die amerikanische Geschichte bildet eher einen schattenhaften Hintergrund, der einige Wendungen im Plot erklärt, aber ansonsten genau das bleibt was er ist – Hintergrund. Prohibition, Depression, die Ermordung Kennedys werden alle angesprochen und haben einen gewissen Effekt auf die Personen, jedoch bleibt der minimal. Inmitten des sich leicht einschleichenden Pathos über den großen amerikanischen Traum (disziplinierte Arbeiter mit eigenem Haus), finden sich einige scharfsinnige Beobachtungen. So wird klar, dass auch nach dem Jahr 2000 Minderheiten mit dunklerer Hautfarbe nicht überall als „normal“ empfunden werden im Einwandererland USA.

Wer unbedingt einen tieferen Sinn in diesem Buch sehen will, könnte argumentieren, dass A Good American dem etablierten amerikanischen Traum (harte Arbeit und Eigenständigkeit werden belohnt), einen anderen Traum entgegensetzt (man braucht die Liebe um diese Arbeit auf sich zu nehmen) und man könnte von hier aus Seiten mit einer Reinterpretation des „guten Amerikaners“ füllen. Aber das wäre vielleicht etwas zu viel des Guten. Wer ein unterhaltsames Buch für lange Winterabende sucht, liegt hier richtig. Wer hohe Literatur erwartet, wird enttäuscht.

Das Buch mach Lust auf: P.G. Wodehouse. Lieblingsautor und Held des Protagonisten. Die ersten Wodehouse-Bücher stehen bereits auf meinem Einkaufszettel.

Die Rezension zu diesem Buch bezieht sich auf die englische Originalversion. Da bei Veröffentlichungszeitpunkt der Rezension keine deutsche Version des Buches erhältlich war, fehlt der sonst übliche Hinweis auf den Titel der deutschen Übersetzung.
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