Lesemanie

Gedankennahrung für Büchernarren


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Eine unglückliche Liebe

Irène Némirovsky – Das Mißverständnis

„Yves Harteloup war 1890 geboren worden, mitten in der Umbruchszeit zwischen zwei Jahrhunderten, hinein ins Fin de siècle einer gesegneten Epoche, in der es in Paris noch immer Männer gab, die nichts taten, in der man mit Eifer niederträchtig und voller Hochmut boshaft sein konnte, in der das Leben für die Mehrzahl der Menschen beschränkt und friedlich war wie ein Bach, dessen Quelle und weiteren Verlauf bis hin zur Mündung man immer ungefähr voraussehen konnte.“

Nach dem Ersten Weltkrieg ist für Yves nichts mehr, wie es war. Das Familienvermögen ist dahin, sodass sich der Sohn reicher Eltern gezwungen sieht, einem Broterwerb nachzugehen und sparsam zu leben. Um ein neues Vermögen aufzubauen, fehlen ihm sowohl der Biss als auch die nötigen Instinkte. Aber auch menschlich hat Yves eine Wandlung durchlaufen – als er von den Schlachtfeldern zurückkehrt, ist er müde und diese Müdigkeit lässt sich auch in kommenden Jahren nicht abschütteln. Yves hat „alle menschlichen Schrecken […], alles Elend, alle Ängste“ gesehen, sein Angestellendasein widert ihn an und er spart das ganze Jahr auf den Sommer hin. Dann gönnt er sich einige Wochen Urlaub an der Küste, im selben Ort, in dem er als Kind sorgenfreie Sommer verlebt hat.

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